
Ich bin angespannt, bekomme ein Kribbeln im Bauch und kann die Beine nicht mehr still halten.
Ich blicke durchs Stadion, sehe tausende fremde Leute und obwohl ich mich normalerweise unwohl fühle,
wenn ich von vielen unbekannten Menschen umgeben bin, fühle ich mich hier trotzdem wohl.
Ich fühle mich hier zuhause.
Das zu fühlen was sie fühlen – und das ist ein schönes Gefühl.
Es ist deshalb ein schönes Gefühl, weil es Emotionen weckt, die ich sonst kaum fühle.
Zumindest nicht so stark.
Das Gefühl, das mich bei einem Werdersieg überkommt, ist einzigartig. Diese Freude, dieses Glück, das fühle ich sonst nicht.
Dann aber leide ich nicht alleine, sondern ich leide mit den Spielern auf dem Platz und den anderen Menschen im Stadion.
Das tröstet mich irgendwie, weil ich weiß, dass es auch andere gibt, die so fühlen wie ich.
Dann aber laufe ich mit einem Lächeln durch Bremen, fühle mich einfach gut und sehe ganz viele andere Menschen, denen es genauso geht.
Nichts auf der Welt könnte mir sonst dieses Gefühl verleihen.
Sie fühlen nicht so wie ich fühle, denken nicht so wie ich denke und können mich manchmal nicht richtig verstehen, obwohl sie sich Mühe geben.
Ich noch nicht.
Mich interessierte das alles nicht, es war mir egal.
Ich war zweimal mit Freunden im Stadion aber ich wurde nicht zum Fan.
Aber irgendwann, da machte es ‘Klick’.
Ich fing an, mich für Werder zu interessieren. Ich guckte mir die Ergebnisse an, dachte über die Tabelle und über mögliche Erfolge nach,
beschäftigte mich mit den kommenden Gegnern und wollte Werder jetzt auch (wieder) spielen sehen.
Dann aber hatte ein Freund Geburtstag und lud mich ein, also bin ich mitgekommen.
Werder spielte gegen Mainz. In der Startelf stand Diego, der vor der Saison nach Bremen kam und direkt alle begeisterte. Auch mich.
Wenn er den Ball hatte, ging ein Raunen durchs Stadion. Alle, auch ich, verhielten sich gleich, wurden ganz nervös, ganz still und guckten nur auf ihn.
Das Führungstor schoss aber nicht Diego, sondern Vranjes. 1 zu 0 in der 60. Minute.
Ich war richtig gut drauf und wollte, dass das nicht mehr aufhört.
In der 90. Minute schoss Werder dann das 2:0 – durch Diego.
Wieder waren alle am Feiern und als der Schiedsrichter das Spiel abpfiff, da wurde der Jubel noch lauter.
Als ich zuhause war strahlte ich über das ganze Gesicht und meinte zu meinen Eltern: “Mama, Papa, ich bin jetzt Werderfan”.
Weil Werder mehr ist als ein Verein. Weil Werder pure Emotion für mich ist – sowohl endlose Trauer als auch endloses Glück.
Weil Werder für mich zu einer zweiten Familie geworden ist.
Werder ist Bremen – und Bremen ist Werder.
Weil Werder mit ihnen genau das gemacht hat, was es auch mit mir gemacht hat – und sie das ganz toll finden.
Dann singen sie alle zusammen “Lebenslang Grün-Weiß” oder “Wir sind Werder Bremen” und fühlen sich gut dabei.
Irgendwann, genau wie ich. Nicht dann, wenn jemand will, dass du einen findest.
Sondern dann, wenn du ihn gefunden hast. Vielleicht hast du ihn auch schon gefunden und weißt es nur nicht, genau wie ich damals.
Aber wenn es soweit ist, dann spürst du es.
Bis dahin drück ich dir die Daumen und hoffe, dass du mit deinem Papa noch ganz viel Spaß bei deiner Suche hast!
