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Thursday, July 29, 2021

4000 HE: Verarbeitung von Metallen

siedlung in der kupfersteinzeit


Im Jahr 4000 der Ära der Menschen war die neolithische Revolution noch in vollem Gange: Eine breite Palette an Pflanzen und Tieren war domestiziert, etwa die Weinrebe oder das Haushuhn. Es wurde bereits über Meere, Wüsten und Wälder hinweg Handel betrieben, vermehrt waren Dörfer und Siedlungen mit einigen tausend Einwohnern aufgetaucht. Doch relativ plötzlich erschien eine völlig neue Technik auf der Bildfläche, die so bedeutend war, dass eine neue historische Epoche nach ihr benannt wurde: Die Kupfersteinzeit.

Eine über tausendjährige Revolution

Wie bereits in früheren Beiträgen geschrieben: Es war eine langwierige Veränderung. Noch immer erwärmte sich die Erde, um 4000 HE schmolzen jedoch besonders viele Gletscher und ließen den Meeresspiegel weiter steigen. Dadurch wurde Großbritannien endgültig vom europäischen Festland abgetrennt und zu einer Insel. Außerdem war auch das Schwarze Meer bis dahin noch ein See, doch zu dieser Zeit änderte sich das: Der Bosporus wurde überflutet und Salzwasser strömte ins Schwarze Meer, wodurch der Wasserpegel um etwa 120 Meter stieg. Ob dies im Sinne einer Sturmflut in einem Ereignis oder über Jahrtausende hinweg passierte, ist umstritten.

Doch auch in kultureller Hinsicht dauerte die Revolution bis dahin an: In Europa gab es um diese Zeit beispielsweise noch immer kein Ackerbau, er kam erst in den Jahrhunderten danach. Dafür gab es sie aber bereits am ägyptischen Niltal, wo sich später eine Hochkultur entwickelte – in einigen Regionen war die Landwirtschaft schon weiter fortgeschritten, so wurde etwa der Pflug bereits um diese Zeit erfunden. Und selbst im abgelegenen Neuguinea begann eine Art der Pflanzenzucht: Bananen wurden kultiviert.

Doch die größte kulturell-technologische Veränderung zu dieser Zeit war eine andere, sie hatte nur bedingt etwas mit der Landwirtschaft zutun: Die Verarbeitung von Metallen, allen voran Kupfer.

Wie funktionierte die Kupferverarbeitung?

Kupfer ist das chemische Element, welches vorliegt, wenn ein Atom 29 Protonen in seinem Kern hat. Es ist ein Metall und leitet somit gut Wärme und Elektrizität, gleichzeitig ist es jedoch verhältnismäßig weich, zäh und gut verformbar – diese zusammen selten auftretenden Eigenschaften verleihen dem Stoff seine herausragende Bedeutung für die menschliche Zivilisation.

Als reines Element, welches direkt abgebaut werden kann, ist Kupfer in der Natur sehr selten, daher konnte es lange kaum genutzt werden – bis die Menschen einen Weg fanden, reines Kupfer aus kupferhaltigen Gesteinen zu gewinnen. Sie bauten Öfen aus Lehm, mit denen sie bis dahin ungeahnte Temperaturen erreichten. Zusammen mit Holzkohle erhitzen sie in diesen die kupferhaltigen Erze. Dabei wird eine chemische Reaktion ausgelöst, durch die metallisches Kupfer entsteht.

Dieses Verfahren ermöglichte die Verarbeitung von Kupfer in großem Umfang, denn kupferhaltige Erze waren im Gegensatz zu reinem Kupfer häufig und konnten in frühen Bergwerken in rauen Mengen abgebaut und anschließend verarbeitet werden.

Die Verbreitung der Metallverarbeitung

Wie die meisten neuen Technologien zu dieser Zeit, entstand die Verarbeitung von Kupfer zuerst im Osten und verbreitete sich von dort schrittweise. Genutzt wurde Kupfer schon um 2500 HE, und zwar ungefähr in der Region, in der um 1 HE mit Göbekli Tepe der erste Tempel entstand – aber nur in geringen Mengen, da es eben noch direkt abgebaut werden musste. Doch die Verarbeitung von Kupfererzen begann dann zwischen 4000 und 4500 HE in Vorderasien, Zentrum dieses neuen Industriezweiges waren vor allem die Wüste Negev auf dem Gebiet des heutigen Israel und das Wadi Dana in Jordanien. Dort begann die Kupfersteinzeit.

Dort, wo die Kupferverhüttung entwickelt wurde, entwickelte sich das Metall schnell zum absolut dominanten Werkstoff – man machte alles daraus: Schmuck, Äxte, Beile, Befestigungen und vieles mehr. Sogar am Bodensee fand man einer Kupferscheibe, die wohl aus der Vinča-Kultur vom Balkan kommt, welche die Kupferbearbeitung ebenfalls früh beherrschte. Das zeigt, dass diese Technologie sich bereits deutlich schneller verbreitete als beispielsweise die Landwirtschaft einige Jahrtausende zuvor. Kupfer wurde zum ersten großen Fernhandelsgut.

Wie veränderte die Metallverarbeitung die Gesellschaft?

Archäologische Untersuchungen zeigen viele Entwicklungen, die mit der Kupferverarbeitung einhergingen und auch mit ihr in Zusammenhang stehen. So wurde der Trend der wachsenden Siedlungen in Mitteleuropa gebrochen, es fand stattdessen eher eine Zersiedelung statt. Die Orte wurden kleiner, aber waren dafür besser befestigt und geschützt.

Durch den Kupferbergbau veränderte sich jedoch auch das Zusammenleben der Menschen drastisch, eine soziale Struktur entstand. Eine mächtige Oberschicht kontrollierte die Verarbeitung und auch die Abbaustellen des Kupfers, sie erhielt großen Reichtum und wurde schon damals auf separaten, mit viel Gold und Beilagen verzierten Friedhöfen begraben. Kupferbergwerke wurden zur zentralen politischen Ressource und zum Hauptgrund für mit Gewalt ausgetragene Konflikte.

Aus noch nicht abschließend geklärten Gründen veränderte sich in der Bronzezeit auch der Lebensstil der Menschen: Die Migration kam in Gang, vor allem Frauen wurden deutlich mobiler. Es handelte sich jedoch nicht um ganze Völkerwanderungen wie zuvor, stattdessen wechselten oft einzelne Individuen ihren Wohnort – das war relativ neu.

Dieses Phänomen wird durch archäologische Untersuchungen am Lechtal nahe Augsburg bestätigt: Die Männer waren meist Einheimische, sie gehörten zu jener Bevölkerungsgruppe, deren Vorfahren schon Jahrtausende vorher aus Anatolien und Syrien dorther kamen, die Frauen hingegen kamen oft direkt aus anderen Orten Europas, beispielsweise aus Böhmen. Offenbar wurden diese jedoch gut in ihre neue Heimat integriert, sie wurden nämlich auf dieselbe Weise bestattet wie Einheimische.

Diese größere Mobilität war ein Gewinn für die Menschheit: Die Einwanderinnen gründeten natürlich auch Familien, sie erhöhten die genetische Vielfalt und brachten einen kulturellen Austausch in Gang. Kulturtechniken verbreiten sich nun deutlich schneller, aber auch Wissen und Ideen wurden zugänglicher, was wiederum die Entwicklung neuer Technologien fördert: Mit dem Austausch von Wissen war eine der elementarsten Grundlagen für unsere heutige Informationsgesellschaft gelegt.

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