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Thursday, October 6, 2022

Das Werteunion Klima-Manifest widerlegt

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Das Werteunion Klima-Manifest. Oder fangen wir vielleicht mit der Werteunion selbst an. Ein Haufen sich selbst für besonders wichtig haltender Konservativer mit angeblich fast 4.000 Mitgliedern (Eigenaussage ohne Beleg) schafft es immer wieder in die Öffentlichkeit und nun auch in dieses Blog. Es sich zur Aufgabe machend den Weg für eine schwarz-braune Koalition mit der AfD freizuschießen, verliert man auf den Seiten der Werteunion und ihrer Mitglieder schon einmal schnell den Überblick und muss immer wieder prüfen, ob man sich nicht doch auf der Seite eines rechtsradikalen Netzwerks befindet. Die Wortwahl, die Bilder, es ist mir schleierhaft, wie man sich auch nur in der Nähe einer Partei bewegen kann, die das intern duldet.

Das Klima-Manifest 2020 der Werteunion beinhaltet einerseits so viel Unfug, dass ich nicht ein seriöses Medium fand, dass sich überwinden konnte, diesen Humbug überhaupt zum Thema zu machen, andererseits wurde das Netz vollgespült mit zahlreichen Verweisen von vermeintlich unabhängigen Schundseiten, die das Manifest teilen und positiv begleiten und somit der Eindruck entstehen könnte, dass da ein paar Herren endlich mal dieser linksgrünversifften Klimahysterie ein Ende setzen.

Wer verweist auf, verbreitet und unterstützt das Werteunion Klima-Manifest?

Zu finden ist das Manifest auf kaltesonne.de von Prof. Dr. Fritz Vahrenholt, ehemaliger Vorstandsvorsitzender von RWE und bis Ende letzten Jahres Alleinvorstand der Deutschen Wildtier Forschung, die sich auf Grund seiner klimapolitischen Aussagen von ihm trennte. Er ist unter seinem Spitznamen „der Hendrik Streeck der Klimakrise“ vor allem für seine spektakulär daneben liegenden Prognosen bekannt.

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Prof. Stefan Rahmstorf, Creative Commons BY-SA 4.0, update by HTComparison real temperature data vs.Vahrenholt andLünings 2012 prognosis updateCC BY-SA 4.0

Natürlich ist auch EIKE wieder vorn dabei, wenn es um Klimawandelleugnung geht.

Auch Vernunftkraft Hessen bejubelt das Werteunion Klima-Manifest. Hier ist Rolf Zimmermann laut Impressum verantwortlich. Herr Zimmermann verbringt seine Freizeit gerne in geplanten Windanlagen-Regionen um eventuell einen Schwarzmilan zu erspähen, der eine Klage gegen den Bau der Windkraftanlage aussichtsreicher gestalten würde. Er ist eigentlich FDP´ler scheut aber die AfD-Nähe nicht.

Auf Mediagnose verbreitet Rüdiger Stobbe das WerteUnion Klima-Manifest. Er ist Autor bei Achgut und publizierte auch auf der EIKE-Seite und er hat zumindest einen unsympathischen Namensvetter, der ebenfalls aus Aachen stammt und diesen Leserbrief in der Welt zum Besten gab in dem er u.a. sagte, dass mit der Homo-Ehe die größten Verbrechen an der Menschheit eingeleitet werden, gegen die jene des 20.Jahrhunderts vergleichsweise gering erscheinen werden.

Natürlich bin ich mir bewusst, dass die zu großen Teilen selbst nicht an den Inhalt des Werteunion Klima-Manifests glauben und es schlicht und einfach taktisches Kalkül einiger privilegierter in der Geschichte hängengebliebener ist, die wissen, was sie für ihr Publikum schreiben und erzählen müssen und dass dann Fakten nicht von großer Relevanz sind. Trotzdem erreicht die illustre Runde eine beunruhigende Reichweite, die sich zudem auf ihren Plattformen gegenseitig recht intransparent und scheinbar natürlich viral multipliziert und daher der Beitrag in Tichys Einblick geteilt von HP Friedrich nur noch eine Frage der Zeit ist.

Deswegen folgt hier eine Widerlegung der wichtigsten im Werteunion Klima-Manifest aufgezählten Unwahrheiten zum Klima. Da ich glaube, in der gleichen Zeit durch meine Projekte mehr sinnvolles für Bildung in Äthiopien tun zu können als gegen den taktisch platzierten Bullshit der Werteunion und aus Platzgründen, habe ich mich hier auf die wichtigsten beschränkt.

Auszug aus dem Werteunion Klima-Manifest: „Die Sonnenaktivität und die Umlaufbahn der Erde um die Sonne sind die Hauptsteuerungsfaktoren des Klimawandels.“

Tatsächlich strahlt die Sonne nicht immer mit der gleichen Leistung. Sie erzeugt Wärme in ihrem Inneren, indem sie einen Kernbrennstoff, nämlich das Element Wasserstoff, fusioniert. Das bedeutet, durch den enormen Druck und die hohe Temperatur kann sie Atomkerne zu neuen Atomkernen verschmelzen. Da das Resultat jedoch eine geringere Masse hat als die Ursprungsstoffe, wird diese Massedifferenz zu Energie, die sie nach Außen strahlt. Diese Energie ist eine nach außen gerichtete Kraft und wirkt der nach Innen gerichteten Gravitation entgegen, wodurch der Stern insgesamt stabil bleibt.

Je weniger Kernbrennstoff übrig bleibt, desto weniger Fusionsreaktionen können im Innern der Sonne stattfinden, daher lässt der Strahlungsdruck im Laufe der Zeit nach. Das bedeutet, dass die Gravitation langsam die Überhand gewinnt und die Sonne mit der Zeit zusammendrückt. Man könnte nun denken, die Sonne würde dadurch immer kleiner und schwächer – doch da der Druck im Kern der Sonne durch die Komprimierung steigt, kann nun das Fusionsprodukt, Helium, selbst fusioniert werden. Daher generiert die Sonne dann tatsächlich mehr Energie. Im Laufe der Zeit strahlt die Sonne also immer stärker – bis zu der Stelle ist noch alles korrekt.

flecken auf der sonne

Es gibt noch einen weiteren auf die Sonne bezogenen Faktor: Wie auch die Erde, erzeugt die Sonne ein Magnetfeld, nur eben ein viel Stärkeres. Und ebenfalls wie die Erde rotiert auch die Sonne. Doch da die Sonne kein fester Körper aus Gestein ist, sondern eine Gaskugel, besitzt sie eine differentielle Rotation, sie rotiert also an unterschiedlichen Breiten unterschiedlich schnell. Dies führt zu Turbulenzen im Gas der Sonne, welche die abgestrahlte Leistung kurzfristig verändern können. Das riesige Magnetgeld polt sich zudem alle elf Jahre um, dadurch entsteht eine periodisch veränderliche Leistung der Sonne in einem elf-Jahres-Zyklus, dem sogenannten Schwabe-Zyklus.

Und auch die Erdumlaufbahn um die Sonne ändert sich zyklisch. Zunächst ändert sich die Neigung der Erdachse relativ zur Bahnebene der Erde. Derzeit beträgt sie 23,5°, ihr Minimum liegt bei 22°, ihr Maximum bei 24,5°. Zudem ist der Orbit der Erde kein Kreis, sondern eine Ellipse, denn der sonnennächste Punkt liegt bei 147 Millionen Kilometern, der sonnenfernste Punkt bei 152 Millionen Kilometern. Dies ist einer Kreisbahn schon ziemlich nahe, es gibt aber auch Zeiten, in denen die Abweichungen von einer Kreisbahn (also die Exzentrizität) höher ist. Auch die sogenannte Präzession der Erdachse schwankt.

Jetzt wird es kompliziert: Die geneigte Erdachse bewegt sich auf einer Kreisbahn um die eigentliche Senkrechte der Bahnebene herum. Die Erde taumelt also wie ein Kreisel, wenn er langsamer wird. Wenn sich diese drei Zyklen überlagern, die Exzentrizität der Erdbahn, die Neigung der Erdachse und die Präzession, können sie durchaus zu einer erheblichen Änderung des Klimas führen.

Doch sind es wirklich diese Phänomene, die mit dem derzeitigen Anstieg der globalen Temperaturen zusammenhängen? Dies lässt sich recht einfach beurteilen, man muss sich nur die Zeitmaßstäbe anschauen, in denen sich die globale Erwärmung abspielt und die Zeitmaßstäbe, in denen sich die natürlichen Phänomene abspielen. Die globale Erwärmung lässt sich bis etwa ins 19.Jahrhundert zurückverfolgen, der Großteil spielt sich jedoch in den letzten 50 Jahren ab. Wie haben bisher also eine stetige Temperaturänderung von insgesamt etwa einem Grad Celsius innerhalb einiger Jahrzehnte, bzw. weniger Jahrhunderte.

Der Schwabe-Zyklus liegt wie bereits gesagt bei elf Jahren, einen solchen Zyklus findet man im irdischen Klima nicht. Zudem strahlt die Sonne in einem solchen Maximum auch um nur etwa 0,001% stärker – der Einfluss auf das Klima ist minimal. Wie sieht es mit den anderen Zyklen aus? Die Exzentrizität der Erdbahn schwankt in einem 100.000-Jahre-Zyklus, die Neigung der Erdachse in einem 41.000-Jahre-Zyklus und die Präzession der Erdachse in einem 26.000-Jahre-Zyklus. Und auch wenn die Sonne mit der Zeit immer heißer strahlt, sind dies etwa zehn Prozent Helligkeitszunahme alle Milliarde Jahre. Dies entspricht einer Helligkeitssteigerung von 0,000001% auf 100 Jahre.

Natürlich gibt es auch bei der Sonnenaktivität auch größere Zyklen, es gibt gemäßigtere und besonders harte Maxima. Während wir für den Großteil des 20.Jahrhunderts jedoch eine generell eher aktive Phase der Sonnenaktivität durchlebten, befindet sie sich aktuell in einer moderaten Phase – einige Forscher*innen sagen für 2030 sogar ein „Super-Minimum“ voraus, mit einer niedrigeren Aktivität als jemals zuvor in den letzten 300 Jahren. Die Angaben der Werteunion gehen hier also schlicht an den Messwerten vorbei.

Natürlich beeinflusst die Sonne das Klima – stärker als alles andere. Doch die Sonne ist ein astronomischer Faktor und astronomische Ereignisse spielen sich auf enorm großen Zeitspannen ab. Die Sonne kann für das Klima innerhalb einiger Jahrzehnte also als praktisch konstanter Faktor gesehen werden.

Auszug aus dem Werteunion Klima-Manifest: „Das CO2 ist für den Temperaturanstieg nicht ursächlich, z.B. gab es vor rund 450 Mio. Jahren eine Eiszeit (Ordovizium) mit 4400 ppm CO2.“

Zunächst einmal: Die Durchschnittstemperatur des Ordoviziums lag zwei Grad Celsius über der heutigen und das lag an der hohen CO2-Konzentration. Die Eiszeit, auf sie sich hier bezogen wird, umfasst nur einen winzig kleinen Teil des Ordoviziums. Über den Großteil des Ordoviziums war die Erde nämlich gänzlich eisfrei. Eine über das gesamte 42 Millionen Jahre dauernde Ordovizium gemittelte CO2-Konzentration mit der geringsten Temperatur, die man in diesem Zeitraum finden konnte zu vergleichen, ist in etwa so sinnvoll wie… mir fällt beim besten Willen nichts ein, was vergleichbar absurd ist.

Die Kälteperiode im Ordovizium, auf die sich bezogen wird, die sogenannte Anden-Sahara-Eiszeit ist übrigens auch auf Faktoren zurückzuführen, die heute keine Gültigkeit mehr haben. So strahlte die Sonne gemäß des anfangs erläuterten Prinzips zu dieser Zeit um 4,5% schwächer. Im Gegensatz zu den 0,000001% der letzten 100 Jahre kann eine solche Veränderung selbstverständlich Folgen für das Klima haben. Die sogenannte Solarkonstante, die angibt, wie viel Energie ein Quadratmeter Erde von der Sonne empfängt, lag damals bei 1.306 W/m2, heute bei 1.367 W/m2.

Zudem verlangsamt sich die Erdrotation, wodurch wir für das Ordovizium auf eine Tagesdauer von 21,5 Stunden kommen, was in Simulationen unter damaligen Gegebenheiten ebenfalls eine Abkühlung verursachte. Moose, die sich im Ordovizium massiv ausbreiteten, entzogen dem Boden Elemente wie Magnesium und Eisen. Dies ermöglichte die massenhafte Bindung von atmosphärischem Kohlendioxid (!) im Boden.

Da das daraus resultierende kältere Klima die Ausbreitung der Moose befeuerte, entstand eine Rückkopplung: Noch mehr Moose entstanden, sie entzogen dem Boden noch mehr Elemente, noch mehr Kohlendioxid wurde gebunden, es wurde noch kälter, noch mehr Moose breiteten sich aus, usw. Die Anden-Sahara-Eiszeit lässt sich also durchaus auf den Rückgang der Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre zurückführen.

Auszug aus dem Werteunion Klima-Manifest: „Der IPCC kann seinen prognostizierten Kipp-Punkt („Tipping Point“) in keiner Weise rechtfertigen. Das ist auch verständlich, denn niemals in der Klimavergangenheit „kippte“ das Klima von warm zu (immer) wärmer, auch dann nicht, als die CO2 Konzentration deutlich höher über der von heute lag.“

Doch, das tat es. Hier sind die Informationen schlicht sachlich falsch. Das Klima kippte schon einmal ins Wärmere und löste dabei das größte Massenaussterben aller Zeiten aus, und zwar vor 252 Millionen Jahre an der Perm-Trias-Grenze. Es begann mit einer Phase extrem starken Vulkanismus am sogenannten Sibirischen Trapp. Dadurch gelangten große Mengen Kohlendioxid in die Atmosphäre und erhöhten die Konzentration von etwa 100 ppm auf mehrere 1.000 ppm, also selbstverständlich „deutlich höher als die von heute“, was innerhalb weniger Jahrhunderte eine Erwärmung von fünf Grad Celsius verursachte – vergleichbar mit dem, was wir im Falle einer ungebremsten Erderhitzung erleben könnten.

Dies führte zu einer Erwärmung der oberen Meeresschichten von 8°C, was 95% aller wirbellosen Arten tötete. Zudem wurden durch die Erwärmung der Meere die Methan-Lagerstätten am Meeresboden aufgelöst. Große Mengen Methans, welches eine viel größere Treibhauswirkung als Kohlendioxid hat, gelangten in die Atmosphäre und sorgten für eine Erwärmung um weitere fünf Grad Celsius, was 75% der Landlebewesen betraf. Durch die höhere Temperatur wurde die Ausgasung noch beschleunigt, was zu noch einer höheren Temperatur führte – so entstand durch das Überschreiten eines Kipppunktes die größte Katastrophe in der Erdgeschichte und der Zusammenbruch beinahe aller Ökosysteme. Die Kipppunkte selbst erkläre ich u.a. in dieser Folge unseres Podcasts.

Auszug aus dem Werteunion Klima-Manifest: „Wetterereignisse wie El Niño und Vulkanausbrüche mit ihren riesigen Staubmengen können das Klima auch signifikant verändern.“

Ja, dass Vulkanausbrüche das Klima verändern können, haben wir am Beispiel der Perm-Trias-Grenze gesehen. Theoretisch wäre es also durchaus möglich, den Klimawandel auch durch Vulkanismus zu erklären, sogar auf kurzen Skalen. Da bleibt einfach nur der simple Fakt, dass der Vulkanismus auf der Erde derzeit rückläufig ist. Würde man lediglich den vulkanischen Einfluss auf das Klima betrachten, würde die Erde sich abkühlen. Es hat zwar nichts mit meiner Argumentation zutun, aber mit der Unfähigkeit der Werteunion, dass die „riesigen Staubmengen“ in der Tat das Klima verändern – es nämlich abkühlen.

Der Staub (in Kombination mit Schwefelsäure) verdeckt lediglich die Sonne und kann zu einem sogenannten Vulkanischen Winter führen. Vulkanismus erhitzt die Erde durch die Kohlendioxidemissionen, nicht durch Staub, denn Staub reflektiert Wärme und hält sie damit von der Erdoberfläche fern, während Kohlendioxid sie absorbiert.

Im Falle des zweiten Punkts hat die Werteunion mal wieder den klassischen Fehler der Verwechslung von „Klima“ und „Wetter“ begangen. El Niño ist ein wiederkehrendes Ereignis, welches in Europa innerhalb weniger Jahre zu wärmeren und kälteren Jahren führt. Der Zyklus ist unregelmäßig, aber beträgt etwa vier Jahre, was sich in der Temperaturanomalie auch klar nachvollziehen lässt. Ungeachtet davon steigt jedoch die über Jahre gemittelte Durchschnittstemperatur, die natürlich immer El Niño-Phasen und La Niña-Phasen (das kühlende Gegenstück) enthält.

El Niño ist also vergleichbar mit der Schwankung der gemeldeten Corona-Neuinfektionen von Wochentag zu Wochentag. Wenn der Mittelwert steigt und an einem Sonntag mittlerweile mehr Fälle gemeldet werden als früher an einem Mittwoch, besteht dringend Grund zum Handeln. Tatsächlich sind La Niña-Phasen längst wärmer als es El Niño-Phasen vor einigen Jahrzehnten waren.

Auszug aus dem Werteunion Klima-Manifest: „Das deutsche Klimapaket muss angesichts der zu erwartenden Wirkungslosigkeit vom Tisch.“

Joa.

Auszug aus dem Werteunion Klima-Manifest: „Die bisherigen Klimavereinbarungen sind das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben stehen – zumal sie westliche Staaten einseitig belasten, während der CO2-Hauptverursacher China in seinem weiteren Wachstumskurs nicht eingeschränkt wird. Gleiches gilt für Indien.“

Auch hier werden Zahlen schlicht verfälscht. Westliche Staaten sind klar die Hauptverursacher der Klimakrise. Deutschland hatte 2018 einen Pro-Kopf-Ausstoß von 9,5 Tonnen Kohlendioxid-Äquivalenten, die USA von 16,14 Tonnen. In der Volksrepublik China sind es 7,95 Tonnen, in Indien sogar nur 1,94 Tonnen. Und dennoch sind die Investitionen Chinas in Klimaschutz höher als die der gesamten Europäischen Union.

Es gehört unabhängig von Wissenschaftsleugnung schon eine große Portion charakterliche Verkommenheit dazu, als viertgrößte Volkswirtschaft der Welt die Schuld auf ein Schwellenland mit der zweitgrößten Bevölkerung der Welt zu schieben, dessen pro-Kopf-Emissionen im Gegensatz zu Deutschland winzig sind. Würden alle Menschen auf der Erde so wie der*die Durchschnittsbürger*in in Indien leben, gäbe es keine Klimakrise. Aber auch Industrieländer können ihre pro-Kopf-Emissionen senken, so liegt UK etwa bei 5,59 Tonnen, Frankreich bei 4,96 Tonnen und die Schweiz bei 4,79 Tonnen.

Ich glaube, eines ist vielen Menschen einfach noch nicht klar: Der einzige Grund, weshalb unser Lebensstil noch nicht längst zum totalen Kollaps des Klimas geführt hat, ist der, dass er anderen Menschen ebendiesen Lebensstil verwehrt.

„Wer wieder gewählt wen (sic!) will muß zurück zur Atomenergie, gerne als Fusionsreaktor.“

Diese Aussage ist kein Teil des Werteunion Klima-Manifest, lediglich von der Seite der Werteunion Bayern, auf der sie die positiven Rückmeldung aus der rechten Blase feiern. Doch auch im Werteunion Klima-Manifest selbst kann man lesen: „Moderne Technologien, die einen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen ermöglichen, sind zu begrüßen“. Tatsächlich ist der relative CO2-Ausstoß eines Atomkraftwerks (Kernspaltung wohlgemerkt, zur Fusion komme ich gleich) recht gering, viel geringer wie etwa bei Kohle. Der Nachteil des ungelösten Atommüll-Problems ist offensichtlich und hochproblematisch, hat mit der Klimakrise an sich jedoch nicht viel zu tun.

Dennoch ist ein Ausbau der mit Risiken behafteten Atomenergie viel teurer als ein Ausbau erneuerbarer Energien, vor allem, wenn wir die Umweltfolgekosten integrieren. Eine Studie kam für Kernkraft auf Kosten von mindestens 14,3 Cent je Kilowattstunde. Bei Windstrom sind es 9,2 Cent und bei Wasserstrom 8,5 Cent je Kilowattstunde.

Zudem ist auch die Menge spaltbaren Materials begrenzt und der Uranabbau mit erheblichen Umweltbelastungen verbunden. Ein Ausbau der Kernenergie ist also teuer und selbstverständlich risikoreicher als ein Ausbau erneuerbarer Energien. Diese sind für den Klimaschutz daher vorzuziehen.

Fusionsenergie ist ein alter Traum, den man auch unter Wissenschaftler*innen nicht vollständig abgeschrieben hat. Zum Klimaschutz wird Fusionsenergie jedoch keinen Beitrag leisten. Zwar ist das Fusionieren von Atomkernen auf der Erde trotz der hohen Abstoßungskräfte zwischen den Kernen möglich, doch es ist fraglich, ob dabei ein signifikanter Energieüberschuss entsteht, ob also mehr Energie freigegeben wird, als für die Ingangsetzung der Reaktion nötig ist – und vor allem, wann es so weit ist.

Das erste geplante Kraftwerk, welches tatsächlich Strom durch Kernfusion erzeugen soll, ist DEMO, das ab 2040 etwa ein Gigawatt Fusionsenergie ins Netz einspeisen soll. Damit ist es noch viel zu klein für den kommerziellen Betrieb, mit echten Fusionskraftwerken ist erst nach 2075 zu rechnen – viel zu spät für das Aufhalten der Klimakatastrophe. Zudem sind einige Fragen wie etwa die Lösbarkeit der Plasmainstabilitäten oder einer dauerhaften Aufrechterhaltung des Stroms statt eines gepulsten Reaktors noch gar nicht geklärt. Ich persönlich möchte mein Überleben nicht an diese Technologie hängen.

Auszug aus dem Werteunion Klima-Manifest: „Bekannt sind das römische Temperaturoptimum und die mittelalterliche Warmzeit von 1000 bis 1400 – mit dazwischenliegenden „kleinen Eiszeiten“. Hinzu kommen kleinere Temperaturänderungen: Alleine zwischen 1860 und heute gab es kurzfristige Schwankungen von vier Kalt- und drei Warmphasen.“

Alle genannten Phänomene waren räumlich begrenzt, bzw. traten an unterschiedlichen Orten zu unterschiedlichen Zeiten auf. Bei der derzeitigen Veränderung des Klimas jedoch zeigt sich eine beispiellose Kohärenz. Auf 98% der Erdoberfläche ist ein wärmeres Klima nachweisbar, bei der mittelalterlichen Warmzeit und auch der kleinen Eiszeit handelte es sich um regionale Phänomene. Außerdem waren sie alle viel schwächer ausgeprägt als die aktuelle Klimakrise, bei der Kleinen Eiszeit handelte es sich etwa um eine regionale Abkühlung von etwa 0,1°C, also 10-mal schwächer als die Klimakrise.

Auch die Kleine Eiszeit war vermutlich teilweise durch den Menschen verursacht, denn die Kleine Eiszeit folgte auf einen krankheitsbedingten Bevölkerungsrückgang im Mittelalter, durch den viele Flächen wiederbewaldet wurden – ein Beweis für die Wirkung von Aufforstung. Zudem war der Golfstrom zu dieser Zeit etwa zehn Prozent schwächer, was zu einer einseitigen Abkühlung in Europa führte, nicht jedoch in anderen Teilen der Welt.

Die Begrifflichkeiten sind hier zudem recht verwirrend, was von der Werteunion wohl ausgenutzt wird. Diese Grafik klärt das Missverständnis vielleicht auf.

Die Kleine Eiszeit war keine Eiszeit, sie war ein Stadial, eine kältere Phase innerhalb einer Warmzeit. Die aktuelle Klimaveränderung spielt sich auf einer viel höheren Ebene ab, es droht das vollständige Ende des sogenannten Känozoischen Eiszeitalters, das seit der Vergletscherung der Antarktis vor 34 Millionen Jahren besteht und der Anbruch eines Warmklimas, also einer eisfreien Epoche.

Auszug aus dem Werteunion Klima-Manifest: „Bei ausschließlicher Betrachtung der letzten 2000 Jahre könnte man also auch den Trend sehen, dass sich die Erde „pro Jahrtausend um 0,3 °C abkühlt.“

Diese Aussage ist bedauerlicherweise falsch. Innerhalb der letzten drei Millionen Jahre war es auf der Welt nie wärmer – kein aufrecht gehender Mensch hat je eine so hohe globale Durchschnittstemperatur erlebt. Die Werteunion bedient sich hier eines altbekannten Tricks der Klimaleugner*innen: Hier wird nämlich ein Eisbohrkern aus Grönland als Quelle herangezogen, der belegt, dass Grönland vor etwa 2.000 Jahren tatsächlich ziemlich warm war – vermutlich sogar begrünt. Nun gibt es an der Aussage der Werteunion zwei Probleme.

Erstens stammt dieser Bohrkern aus den 60ern, der Großteil der globalen Erwärmung spielte sich aber natürlich erst danach ab. Das zweite Problem ist aber noch größer: Der Eisbohrkern aus Grönland sagt etwas aus über die Temperaturen in Grönland zu diesem Zeitpunkt – nicht über die globale Durchschnittstemperatur der Erde. Natürlich lässt sich nicht einfach eine gemessene Temperatur während einer lokalen Warmphase (das bereits erwähnte Römische Temperaturoptimum) mit einer globalen Durchschnittstemperatur vergleichen – bzw. geht das schon, hat aber nichts mit Wissenschaft zutun. Global war es vor 2.000 Jahren deutlich kühler als heute.

Auszug aus dem Werteunion Klima-Manifest: „Da die Infrarot-Absorptionsbande des Kohlendioxids bereits nahezu vollständig gesättigt ist, beeinflusst der Mensch das Weltklima durch den Ausstoß von zusätzlichem CO2 nur unwesentlich“

Okay, von Infrarot-Absorptionsbanden zu sprechen, kann mindestens als mutig betrachtet werden. Zunächst sollte man erklären, worum es sich dabei überhaupt handelt, denn das Argument der Werteunion profitiert vor allem davon, dass die wenigsten ihrer Anhänger*innen es verstehen. Gasmoleküle, die aus mehr als zwei Atomen bestehen – wozu Kohlendioxid zählt, nicht aber Sauerstoff oder Stickstoff, die das Klima daher nicht beeinflussen – absorbieren gewisse Formen von Strahlung. Entscheidend für die Absorption ist die Wellenlänge der Strahlen.

Wenn die Strahlung absorbiert wird, nimmt das Kohlendioxid die Energie auf und die Moleküle werden in Schwingungen versetzt. Bei diesen Schwingungen wird Wärmeenergie frei, die dann zum Teil zurück zur Erdoberfläche gelangt. Deshalb heizt Kohlendioxid als dreiatomiges Molekül die Erde auf, die wesentlich häufigeren Elemente Sauerstoff, Stickstoff und Argon jedoch nicht. Bei der Energie, die von Erdboden auf das Kohlendioxid trifft, handelt es sich um Infrarotstrahlung, also um Wärme.

Wäre die Infrarot-Absorptionsbande nun schon gesättigt, wie die Werteunion behauptet, könnte die Infrarotstrahlung ungehindert passieren und würde ins All entweichen. Doch das Problem ist, dass Kohlendioxid zwei Absorptionsbanden hat, bei Wellenlängen von etwa 4,3 µm und etwa 14,7 µm. Die erste ist in ihren Kernbereichen tatsächlich gesättigt (nicht jedoch an den Rändern), vor allem die zweite ist jedoch nicht gesättigt und daher zum Großteil für den Treibhauseffekt verantwortlich. Es gibt noch genug Spielraum für eine weitere Erderwärmung, eine Sättigung beider Emissionsbanden ist auf der Erde praktisch nicht möglich, lediglich auf Planeten mit viel wärmerem Klima, etwa der Venus.

Auszug aus dem Werteunion Klima-Manifest: „Die natürlichen Klimaschwankungen resultieren aus dem zyklischen Wechsel der Sonnenaktivität und den davon abhängigen Meeresoszillationen einschließlich El Nino.“

Diese Aussage ist korrekt. Die natürlichen Klimaschwankungen tun exakt dies – und deshalb sind sie auf kleinen Zeitskalen auch vernachlässigbar. Tatsächlich bestehen vermutlich Zusammenhänge zwischen der Sonnenaktivität und der El Niño-Zirkulation. Wie die Werteunion schon selbst gesteht, ist dieser Wechsel zyklisch – in der Temperaturentwicklung der jüngeren Geschichte findet sich jedoch kein solcher Zyklus, was auch völlig klar ist, da das Klima eben einer gemittelten Durchschnittstemperatur entspricht. Regelmäßige Schwankungen innerhalb dieses Zeitraums werden durch die Mittelung geglättet wie die Schwankungen von Wochentag zu Wochentag bei der Sieben-Tage-Inzidenz.

Dies sollte das letzte Mal sein, dass auf diesem Blog die Existenz des menschengemachten Klimawandels belegt wird, denn eine Diskussion entspricht bereits einer Legitimation der Existenzberechtigung einer Gegenmeinung, die hier schlicht und einfach nicht vorliegt. Ich möchte meine Zeit demnächst nutzen, um etwa gegen die Klimakrise zutun und nicht um Antidemokrat*innen von der Werteunion darüber aufzuklären. Und das hier habe ich nur geschrieben, damit ihr es mir gleich tut.

Es würde mir selbstverständlich helfen, wenn ihr diesen Beitrag teilt, oder verlinkt, gerne auch in Diskussionen mit der Werteunion. Vielleicht hat ja jemand von denen Lust auf eine Diskussion auf Faktenbasis oder eine gemeinsame Podcast-Aufnahme.

Warum ich in diesem Blogpost und auch zukünftig donotlink.it nutze und warum auch du dir das überlegen könntest.

Wenn ich in diesem Blogpost zu Schmuddelseiten verlinke, nutze ich donotlink.it.

Auszug aus deren Webseite:

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Quellen

Max-Planck-Gesellschaft über Schwankungen der Sonnenhelligkeit

Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung über das Magnetfeld der Sonne während des Sonnenfleckenminimums

Erläuterung zu einer Vorlesung an der TU-Berlin zum zyklischen Auftreten von Sonnenflecken

Erklärung der Freien Universität Berlin zur Veränderung der Erdbahnparameter

Bericht über eine Studie der University of California zu den Ursachen der Anden-Sahara-Eiszeit

Auszug aus der Wikipedia über das Klima des Ordoviziums

Studie zu den Ursachen der Anden-Sahara-Eiszeit

Studie über den Ablauf des Massensterbens an der Perm-Trias-Grenze

Erklärung des Naturkundemuseums Berlin zu den Auswirkungen des Massensterbens an der Perm-Trias-Grenze auf die Ökosysteme

Statistik zum Pro-Kopf-CO2-Ausstoß einzelner Länder

Erklärung des Umweltbundesamtes zu den Kosten der Atomkraft

Eintrag zur Machbarkeit eines Fusionskraftwerkes des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag

Artikel von scinexx.de zu der globalen Kohärenz der Klimakrise

Artikel von deutschlandfunk.de zu den Ursachen der Kleinen Eiszeit

Artikel von klimafakten.de zu der Regionalität der Mittelalterlichen Warmzeit

Erklärung des Umweltbundesamtes zur Sättigung der Infrarot-Absorptionsbanden von CO2

Anmerkungen zum Strahlentransport von scienceblogs.de

Artikel über die Wirkung von CO2 von quarks.de

Erklärung von heise.de zu einer Greenpeace-Studie zu den Kosten der Atomkraft

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